27. August 2019

Sai Weng Shi Ma – Glück im Unglück

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Es lebte einmal ein alter Mann mit seiner Familie an der Grenze zum Mongolenreich. Sie waren sehr arm und besaßen nur ein einziges Pferd als Arbeitstier, das sie des Nachts auf der Weide ließen. Eines Morgens, als der Alte zur Weide kam, war das Pferd verschwunden. Die ganze Familie trauerte wegen des Verlustes und aus der Nachbarschaft kamen die Menschen herbei, um die Familie zu trösten. Der einzige, den dieses Ereignis wenig zu berühren schien, war der alte Mann, was er, darauf angesprochen, mit wenigen Worten zum Ausdruck brachte. »Was verloren ist, ist verloren. Man sollte keine unnötige Trauer darüber empfinden, sondern lernen damit umzugehen. Wer weiß, welchen Sinn es hat.«

Und wie durch ein Wunder kam das verloren gegangene Pferd einige Tage später von selbst zurück. Doch war es nicht alleine, sondern brachte ein kleines Wildpferdfohlen mit, so dass die Familie jetzt zwei Pferde besaß. Voller Freude über dieses Ereignis eilten die Nachbarn herbei, um der Familie ihre Glückwünsche zu überbringen. Wieder war es der alte Mann, der zur Ruhe mahnte und zum Ausdruck brachte, dass die Freude nicht übertrieben werden sollte.

Nach einer Zeit der Zuwendung schloss der jüngste Sohn der Familie enge Freundschaft mit dem fremden Wildpferd, so dass er es nach einiger Zeit auch reiten konnte. Während einer seiner täglichen Ausritte jedoch strauchelte das Pferd und der junge Mann stürzte so unglücklich, dass er sich ein Bein brach. Wiederum wird der Familie von allen Seiten Bedauern über dieses Missgeschick entgegengebracht. »Warum seid ihr so betrübt«, sagte der alte Mann. »Alle Dinge haben ihren festen Lauf. Nichts davon lässt sich wegnehmen, nichts hinzufügen. Wer weiß, warum dieses Unglück geschehen ist.«

Ein paar Jahre später verschlimmert sich die Grenzsituation zwischen dem Reich der Mitte und dem Mongolenreich. Alle jungen Leute werden zur Armee eingezogen. Weil aber der Junge der Familie Beschwerden mit seinem Bein hat, wird er nicht eingezogen, sondern kann bei seiner Familie bleiben.